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Jan
03

Das hat sich gewaschen!

Schmuddelig. Haare und andere Überbleibsel vom Vorgänger. Beklemmende Atmosphäre, nichts wie weg. Unschöne Dinge sind das, die viele mit Gemeinschafts-Waschmaschinen in Studentenwohnheimen oder Waschsalons verbinden. Mit dem Muff ist nun Schluss. Im Nürnberger Erlebniswaschsalon Trommelwirbel lassen die Powerfrauen Nele Gilch und Petra Schinz die 70er Jahre wieder aufleben.

 

Im Trommelwirbel trifft sich die Kundschaft auf ein Pläuschen. (Bild: © Julia Krippl)

„Alles fing damit an, dass mein Keller bei einem Unwetter überschwemmt und meine Wäsche voller Schlamm war“, erinnert sich Petra Schinz. Auf ihrer Odyssee durch verschiedene Waschsalons der Region erkannte sie enttäuscht: „Meine romantischen Erinnerungen verpufften, in denen Waschsalons noch der perfekte Ort für Kommunikation und Flirtversuche waren.“ Somit kam den beiden das „zufällige Unglück“, wie Nele Gilch es nennt, zu Hilfe. Mit dem Gedanken sich selbstständig zu machen, spielten beide schon länger. Jedoch fehlte bisher eine ausgereifte Idee. Die beiden Wirbelwinde wollten eine Dienstleistung anbieten. Bodenständig sollte sie sein. Aus ihrer langjährigen Berufserfahrung im Projektmanagement wissen sie, dass ein guter Branchenmix wichtig ist. Das haben sie in der Trommelwirbel OHG  (http://www.trommelwirbel.de/) umgesetzt.

Der Trommelwirbel: Waschen, genießen, erleben, kaufen

Die Kunden verfolgen in der Wartezeit nicht stur die Umdrehungen der Wäschetrommel. Stattdessen blättern sie in einer abgegriffenen Bravo-Zeitschrift aus den 70er Jahren, zuzeln an einer Capri-Sonne oder einem Rotbäckchen-Saft und schnabulieren selbstgemachte Flammkuchen und Toasts. Das Retro-Feeling der Hippiezeit gibt es gratis obendrauf. „Wir sind halt echte Blumenkinder der 70er“, bekennen sich Schinz und Gilch und beide beginnen zu lachen. Auch wenn die Fülle an Einrichtungsgegenständen und die dominierenden Farben orange, gelb und braun die Sehnerven etwas strapazieren, ist es den beiden Gründerinnen gelungen, die Zeit außer Kraft zu setzen und die 70er stillstehen zu lassen. Irgendwie wartet man unentwegt auf eine Horde Hippies mit Schlaghosen, Plateausohlen und Achselbehaarung. „Wir hören von vielen Kunden, dass sie bei jedem Besuch etwas Neues entdecken“, berichtet Schinz stolz. Nele Gilch bringt das Gesamtkonzept auf den Punkt: „Einmal alles bitte.“

Nele Gilch: "Dass wir Energie sparen müssen, dürfte wohl mittlerweile jeder wissen". Der Trommelwirbel setzt auf energiesparende Maßnahmen. (Bild: © Julia Krippl)

Slogan: Grün denken, weiß und sauber waschen

Besonderen Wert legen die Existenzgründerinnen darauf, den Kult-Waschsalon nachhaltig zu betreiben. Petra Schinz zählt auf: „Wir haben energiesparende Trockner, heizen unser Wasser mit Gas vor, beziehen zu 100 Prozent Ökostrom und verwenden ausschließlich phosphatfreie Waschmittel.“ „Außerdem beraten wir unsere Kunden dahingehend, dass zum Beispiel auch Niedrigtemperaturprogramme meistens ausreichen “, ergänzt Nele Gilch.

„C´e un Sospeso? Gibt es einen aufgehobenen Kaffee?“

Den Frohnaturen liegt nicht nur die Umwelt am Herzen, sondern sie versuchen, „im kleinen, ihnen möglichen Rahmen in der Nachbarschaft zu helfen.“ Im Trommelwirbel wird eine neapolitanische Tradition gepflegt. Wer einen sozialen Beitrag leisten möchte, bestellt einen Cafe Sospeso, was so viel heißt wie „Aufgehobener Kaffee“.  Petra Schinz erklärt das Modell: „Der Kunde trinkt einen Espresso, bezahlt aber zwei. Der zweite wird aufgehoben für jemanden, der sich den Kaffee gerade nicht leisten kann.“ Allmählich nehmen die Kunden auch diese Idee an.

Nele Gilch und Petra Schinz sind in ihrem kunterbunten Reich umgeben von Prilblumen & Co. (Bild: © Julia Krippl)

Hier wirbeln die Fetzen!

Gilch und Schinz reflektieren ihre Geschäftsideen regelmäßig. „Es ist wichtig, auch mal seine ehrliche Meinung zu sagen, wenn man eine Idee der anderen blöd findet“, weiß Nele Gilch, „nur so kommen die besten Ideen zustande.“ Ab und an münden die Diskussionen in einem Streit. Beide betonen jedoch, dass dabei der gegenseitige Respekt nicht verloren geht. Richtig ernst nehmen kann man das mit den handfesten Streits sowieso nicht, wenn die Trommelwirblerinnen in trauter Zweisamkeit von „ihrem Baby“ erzählen. Ein weiterer Grund, warum beide nie alleine gegründet hätten ist, dass eine Teamgründung Sicherheit gibt. „Wer nicht selbstständig ist, kann schwer nachvollziehen, wie viele Höhen und Tiefen es während dieser Phase gibt“, sagt Petra Schinz und schiebt nach: „Und die Tiefen sind wirklich tief.“ Ende des Jahres 2009 hatten beide Schulden von circa 330.000 Euro. Dieser Betrag setzte sich aus einer stillen Beteiligung, Förderkrediten und Eigenkapital zusammen. Zu dieser Zeit war aber noch keine einzige Fuhre Schmutzwäsche gewaschen. Eröffnet wurde erst im Januar 2010. Aufgeben kam für beide nie in Frage. „Irgendwann gibt es einen Point of no return“, so Schinz.

An der Idee festhalten

Im Trommelwirbel erleben die 70er ihr Revival. (Bild: © Julia Krippl)

Die Hartnäckigkeit hat sich gelohnt. Gilch und Schinz waren bisher in leitenden Positionen beschäftigt. Einwände von Seiten der Verwandtschaft und Ex-Kollegen, die berufliche Umorientierung stelle einen Imageverlust dar, ignorierten sie. „Wir haben in unserem früheren Job alles erreicht. In einer gewissen Position wird man sehr einsam“, seufzt Nele Gilch. „Klar zahlst du bei einer Gründung deinen Preis“, sagt sie und nennt in einem Atemzug, was ihr gefällt an ihrem neuen Leben: „Unter uns gesagt, ich freue mich wahnsinnig über die banale Tatsache in der Arbeit keine Kostüme mehr tragen zu müssen.“ Die Inhaberinnen des Trommelwirbels brechen erneut in schallendes Gelächter aus.  Für beide ist es schwer vorstellbar, wieder in ein Angestelltenverhältnis zu wechseln. Sie freuen sich über die kurzen Entscheidungswege im Trommelwirbel und über ein hohes Maß an Integrität. Gilch und Schinz sind sich einig: „Wir sind nicht mehr bereit, bei moralischen Fragen Kompromisse einzugehen.“

Hang zu Schnapszahl-Kalendertagen

Einen Kompromiss wollten sie auch bei beim Notartermin für die OHG-Gründung nicht eingehen. „Es musste unbedingt der 09.09.2009 sein. Das ist wahrscheinlich so ein Frauending“, berichten die Startups. Das Witzige: Am 11.11.2011 erreichte das Projekt Trommelwirbel den ersten Platz beim Kultur- und Kreativpiloten, einer bundesweiten Auszeichnung für kreative Köpfe mit unternehmerischem Potential. Vorrangiges Ziel für das neue Jahr ist es, das Geschäft zu stabilisieren und die drei Mitarbeiterinnen weiter beschäftigen zu können. Sie hoffen, dass der Trommelwirbel im nächsten Jahr schwarze Zahlen schreibt. Langfristig planen Nele Gilch und Petra Schinz, zwei oder drei Läden zu eröffnen und diese langfristig in Franchising überzuführen. Neben allen Plänen dürfen wir gespannt sein, was das Datum 12.12.2012 für die beiden Damen an Überraschungen bereithält.

 

Ein Artikel von Julia Krippl

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  1. Presseüberflieger | KULTUR- UND KREATIVPILOTEN DEUTSCHLAND Blog sagt:

    [...] auf vimeo.com     … Video von Konkreet Labs auf vimeo.com     Das hat sich gewaschen! „Alles fing damit an, dass mein Keller bei einem Unwetter überschwemmt und meine Wäsche voller [...]

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